Beten

(von Anja Kieser)

In der Wochenzeitung – Die Zeit – wurden ganz verschiedene Leute gefragt, ob beten hilft. Eine Fleischfachverkäuferin sagte: „Eigentlich bin ich mehr mit Gott im Gespräch, als dass ich bete. Das hilft mir in allen Lebenslagen, auch in den schweren, in denn ich oft an Gott gezweifelt habe“. Ja, vielleicht sind es gerade die schweren Zeiten, in denen ich besonders mit Gott ins Gespräch kommen sollte.  Zeiten, in denen die ich zweifle, ich traurig bin, trostlos. In Zeiten, wie diesen, die vieles in Frage stellen. Meine Gewohnheiten zum Beispiel. Die Selbstverständlichkeiten. Zeiten wie diese, die mich ratlos und ängstlich machen. Die mich näher zu mir führen, was ich manchmal kaum aushalten kann.  Ganz allein so mit mir! Dann ist es gut, wenn da noch einer ist. Einer mit dem ich reden kann; streiten; den ich anbrüllen kann. Einer, der zuhört und mit mir redet. Leise. Weil die vielen anderen Stimme so laut sind. Gerade wenn ich allein mit mir bin. Das ist beten. Wenn nicht jetzt, wann dann? Oder wie ein sechsjähriges Kind in der Umfrage sagte: „Natürlich hilft beten! Wie soll der liebe Gott einen denn sonst hören?“