Go for it – Predigt zur Einsegnung 26.9.21

Pastor Markus Bauder

Text/Thema: Go for it (Psalm 139)

Gehalten (Datum/Ort): 26.09.21 S-HK (Einsegn; Bezirk; Livestream)

Go for it. So habe ich meine Predigt überschrieben. Auf deutsch „Mach es!“ Oder „Pack es an!“ Oder auch „Du packst es! Du schaffst es!“ Go for it.

Ein Tanzfilm aus dem Jahr 2011 trägt diesen Titel. Ein junges Mädchen aus Mexiko lebt in Chicago in äußerst bescheidenen Verhältnissen. Hip Hop, der Tanzstil, hat es ihr angetan und wird zu der Leidenschaft ihres Lebens. Vielleicht wird sie ja als Tänzerin entdeckt… Irgendwann, ihr ahnt es vielleicht, darf sie bei einem Casting an einer angesagten Tanzschule mitmachen. Wird sie es schaffen? Sie muss viel üben und trainiert und trainiert. Go for it!! Du schaffst das!

Habt ihr schon mal an einem Triathlon teilgenommen? Ich habe das mal einige Jahre gemacht. Es war bei meinem allerersten Wettkampf. Ein kleiner Wettkampf für Leute, die das mal ausprobieren wollten. Nach Schwimmen und Radfahren ging es noch um 5 Kilometer laufen. Nach 2-3 km war ich am Ende. Ich war so fertig. Ich wollte nicht mehr und hab mich gefragt, warum um alles in der Welt ich mich darauf eingelassen habe. Gerade als ich stehenbleiben wollte um aufzugeben, hat mich einer überholt und mir zugerufen „Auf geht’s! Weiter! Du schaffst das!“

Ich habs geschafft…

Im Ziel war mir so schlecht, ich hätte beinahe geko… Ich hab mich auf den Boden gelegt.

Aber von diesem Tag an habe ich trainiert… Das wollte ich besser hinkriegen.

Go for it! Das soll heute euch gelten, die ihr eingesegnet werdet.

Der heutige Gottesdienst, die Einsegnung findet ja in einer Zeit statt, in der Ihr so allmählich in das Erwachsenenleben hineinwachst. Ihr seid religionsmündig und Ihr sollt allmählich mehr Verantwortung für Euch selbst und Euer Leben übernehmen. Vielleicht spürt Ihr das selbst. Dabei wird Vieles erstmal nicht klarer, sondern verwirrender. Zunehmend denkt Ihr vielleicht, die Erwachsenen spinnen. Ich kann das selber besser. So wie die will ich es nicht machen. Aber wie denn dann ist auch nicht einfach so klar…

Ich würde Euch gerne an diesem Tag einen kleinen Push mitgeben: Go for it. Du schaffst das!

Ich will Euch ermuntern, das Leben anzupacken. In die Zukunft zu gehen.

Auch Gott ist in meinen Augen ein großer Ermutiger.

Abgesehen davon, dass man es irgendwie selber hinkriegen muss, denn die besten Fähigkeiten nützen einem nix, wenn man sie nicht auf den Rasen, auf die Laufbahn oder ins Leben kriegt.

Abgesehen davon ist eine der entscheidenden Fragen dann natürlich – was soll ich überhaupt schaffen? Bei einer Prüfung ist das klar oder einem Wettkampf. Aber im Leben? So allgemein…? Go for it soll ja nicht einfach nur eine Floskel sein, die man halt so sagt.

Mir ist heute das mit dem Gottvertrauen wichtig. Ich halte das für einen der wichtigsten Faktoren für ein gutes Leben. Gottvertrauen.

Letzte Woche haben wir in der Bibelstunde dazu einen wichtigen Vers in der Bibel gelesen: „Werft euer (Gott)Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat“.

Psalm 139 haben wir vorhin gehört: Herr, du siehst alle meine Wege. Du weißt, was ich sage und was nicht. Von allen Seiten umgibst du mich. Du hältst deine Hand über mir. Fahre ich in den Himmel, Du bist da. Bin ich bei den Toten, da bist du auch. Nähme ich Flügel und bliebe am äußersten Meer – deine Hand würde mich führen und deine Rechte mich halten. Du schaust sogar durch die Finsternis…

Das ist Gottvertrauen…

Eine solche Gewissheit, ein solches Gefühl, das ist eines der stärksten Tools für ein gutes Leben.

Natürlich gibt’s auch andere Dinge, die wichtig sind und die es lohnt, sie anzustreben: die Schule gut zu schaffen. Gute Fähigkeiten und Kompetenzen erlernen für einen guten Job. Genügend Auskommen und Geld ist sicher auch wichtig. Mit anderen gut auskommen. Ein gutes Netzwerk ist wichtig. Mit den Eltern gut klarkommen, Freunde haben – Ein Partner, eine Partnerin fürs Leben. Genügend Zeit für Muße und Spaß.

Aber ihr wisst auch – heute schon – dass Misserfolg auch zum Leben gehört. Und Enttäuschungen. Dass es böse Menschen gibt. Und schlechte Zensuren. Und Ungerechtigkeiten aller Art. Und dass man sich manchmal, sogar ziemlich oft, hinten anstellen muss. Selten wartet die Welt auf uns, dass wir sie mit unserer Weisheit beglücken…

Deshalb sage ich, ein überaus lohnendes Ziel ist: Gottvertrauen lernen. Einüben. Gottvertrauen haben oder bekommen. Gottvertrauen finden.

Schon in der Sonntagschule und jetzt im Kirchlichen Unterricht gehörte das zu den Dingen, die uns sehr wichtig waren: Gottvertrauen.

Letztes Jahr bin ich mit meiner Frau nach Stuttgart gezogen. In Coronazeiten. Wie wird das werden? Was erwartet uns? Wer erwartet uns? Werden wir das hinkriegen?

Ich bin froh, dass ich ab und an … und im Grunde jeden Tag sagen konnte und kann: Herr, du siehst alle meine Wege. Du siehst was ich sage und was nicht. Was ich tue und was nicht. Von allen Seiten umgibst du mich… Dir vertraue ich das alles an.

Gottvertrauen. Go for it! Das sollt ihr schaffen. Das soll euch gegeben und geschenkt werden.

Jan – Du hast dir sogar einen Satz aus Psalm 139 ausgesucht. Dein Taufspruch: Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Ich wünsche dir das wirklich, dass du das glauben kannst und dass du es erlebst. Vor allem dann, wenn es vielleicht mal schwierig wird im Leben …

Lene, du bekennst mit einem Psalmsänger: Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft.

Das wünsche ich dir, dass deine Seele große Kraft bekommt. Vor allem dann, wenn du selbst vielleicht gerade wenig Kraft hast und dringend neuen Kraftstoff brauchst.

Bittet, so werdet ihr bekommen. Sucht und ihr werdet finden. Klopft an und euch wird geöffnet. Elsa, Go for it. Übe das immer wieder – bei diesem Jesus anzuklopfen. Dein Gottvertrauen wird nicht enttäuscht werden.

Tabea – Gott sagt: Niemals werde ich dir meine Hilfe entziehen, nie dich im Stich lassen. Kannst du das glauben? Das ist doch der Wahnsinn! An einem solch schönen Tag wie heute, kann man da vielleicht gut nicken und „ja“ sagen. Aber wenn das Leben mal nicht so freundlich ist? Gottvertrauen. Go for it. Niemals wird Gott dich im Stich lassen.

Tom – willst du mal Richter werden? „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben. Wem ihr sie nicht vergebt, dem sind sie nicht vergeben. Nicht nachtragend sein. Es Gott nachzutun und zu vergeben. Welch eine Verantwortung. Obwohl das, was ein anderer getan hat, vielleicht nicht nur Peanuts waren… Go for it.

Go for Gottvertrauen. Das wünsche ich euch. Das würde ich euch am liebsten impfen. Gottvertrauen.

Nur leider funktioniert das nicht so einfach wie impfen.

Seid ihr schon mal geklettert? Musstet ihr euch schon mal auf die Seilsicherung verlassen? Auf den, der Euch hält?

Ihr klettert hoch. Und dann gehen euch, wie mir, irgendwann die Puste aus. Ihr spürt, dass Ihr das nicht bis hoch schafft. Ihr versucht, euch krampfhaft festzuhalten. Irgendwann signalisiert ihr nach unten „ich schaff das nicht!“ Von unten heißt es „Passt schon. Lass dich einfach fallen.“

Sich einfach fallen lassen. Ich glaub der spinnt… Ich hab mich festgekrallt solange es irgend ging. Und dann dieser Moment, wo es nicht mehr ging und dieses unglaubliche Gefühl – es trägt ja tatsächlich.

Später, beim zweiten und dritten Mal ist es dann einfacher. Weil man weiß, dass es hält.

Vertrauen lernt man nur durch vertrauen. Gottvertrauen lernt man nur dadurch, dass man sich auf ihn verlässt. Schritt für Schritt, mal um mal. Es ist ein Weg. Ein Weg, den man selber geht. Den auch niemand anderer für einen geht oder gehen kann.

Natürlich kann man von anderen lernen und ihnen zuschauen. Von den Eltern. In der Gemeinde. Das kann einem schon auch ein gutes Gefühl geben. Und Mut, es einmal selber auszuprobieren.

Seid Ihr schon mal mit einem solchen E-Scooter gefahren, die überall in der Stadt herumstehen? Ich hab mir das lange angeschaut. Und immer wieder gedacht, hm, wie das wohl ist? Eigentlich kann es nicht so schwer sein. Eigentlich würde ich es gerne mal ausprobieren. Sieht schon irgendwie cool aus…

Aber von allein passiert das nicht. Vorletzte Woche haben meine Frau und ich uns dann einen Ruck gegeben. In Berlin – wo uns keine Bekannten über den Weg laufen und es peinlich sein könnte … Und es hat geklappt. Und war gar nicht schwer.

Man muss vielleicht auch aus Fehlern lernen. Als kleiner Bub war ich mal einige Jahre im Geräteturnen. Da ist man öfter von den Geräten gefallen. Das allerwichtigste war, wenn es irgendwie geht, sofort wieder rauf. Es noch einmal probieren. Vielleicht mit etwas mehr Unterstützung.

Vielleicht hast Du gedacht, wenn Gott Gott ist, dann kann das, was du vorhast, nicht schiefgehen. Und ist es doch… War das ein Fehler? Hast Du Dich geirrt? Musst du die Sache vielleicht doch anders angehen? Brauchst du etwas mehr Unterstützung?

Auch im Gott vertrauen ist noch kein Meister einfach so vom Himmel gefallen.

Deshalb sind wir in der Gemeinde. Deshalb sind wir gemeinsam unterwegs. Um uns gegenseitig zu unterstützen beim Gottvertrauen üben und lernen.

Dazu lade ich euch ein. Go for it. Du schaffst das. Zum ersten Mal. Zum wiederholten Mal. Immer wieder.

Ausrufezeichen! Oder Amen