„Ich bin der wahre Weinstock“

Predigt zu Johannes 15,1-5

von Michael Burkhardt
Einsegnung in der Hoffnungskirche am 24.04.2016

Predigttext: Johannes 15,1-5 (Übersetzung aus der Basis Bibel)

„Ich bin der wahre Weinstock. Mein Vater ist der Weinbauer. Er entfernt jede Rebe an mir, die keine Frucht trägt. Und er reinigt jede Rebe, die Frucht trägt, damit sie noch mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein geworden durch das Wort, das ich euch verkündet habe. Bleibt mit mir verbunden, dann bleibe auch ich mit euch verbunden. Eine Rebe kann aus sich selbst heraus keine Frucht tragen. Dazu muss sie mit dem Weinstock verbunden bleiben. So könnt auch ihr keine Frucht tragen, wenn ihr nicht mit mir verbunden bleibt.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer mit mir verbunden bleibt so wie ich mit ihm, bringt reiche Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts erreichen.“

Liebe Jugendliche, liebe Familien und Freunde, liebe Gemeinde!

In einem Werbeslogan wurde Stuttgart einst „Die Großstadt zwischen Wald und Reben“ genannt. Weil das noch immer stimmt, findet sich der Satz auch heute noch auf der Homepage der Landeshauptstadt. Da liegt der Vers auf der Titelseite unseres Programms eigentlich nah: „Ich bin der Weinstock. Ihr seid die Reben. Wer mit mir verbunden bleibt, bringt reiche Frucht.“ Die Stuttgarter Weinberge sind steile, aber gute Lagen. Ein feiner Tropfen ist etwa das „Cannstatter Zuckerle“, der auch einem Rotweinliebhaber wie mir mundet.

Andererseits gehe ich davon aus, dass ihr Jugendlichen den Wein noch nicht so ausgiebig gekostet habt. Und mit Weinbau hat glaube ich auch niemand von euch zu tun. Deshalb müsste man das Wort Jesu vielleicht an heutige Verhältnisse anpassen: „Ich bin der Strom, ihr seid das Handy. Wenn ihr nicht bei mir angeschlossen seid, habt ihr keinen Saft und könnt nichts machen.“

Jeder von uns weiß, dass ohne Strom nichts mehr läuft: kein Licht und keine Heizung, der Computer fährt nicht hoch, der Kühlschrank kühlt nicht mehr und der Herd bleibt kalt. Wenn dann der Handyakku leer ist, gibt es keine Whatsapp mehr, kein Surfen und kein Chatten. Ein Leben ohne Strom können wir uns nur schwer vorstellen. Deshalb könnte Jesus heute sagen: „Ich bin der Strom, ihr seid das Handy. Wenn ihr nicht bei mir angeschlossen seid, habt ihr keinen Saft und könnt nichts machen.“

Auch beim Weinstock kommt es darauf an, dass der Saft fließt, dass Wasser und Nährstoffe zu den Reben gelangen. Das Bild stammt aus einer ganz anderen Lebenswelt. Aber es leuchtet auch heute noch ein: „Ich bin der Weinstock. Ihr seid die Reben. Wer mit mir verbunden bleibt, bringt reiche Frucht.“ Ein blühender Zweig, der abgeschnitten wird, kann uns zwar noch eine Weile in der Vase erfreuen. Aber er wird keine Früchte tragen. Er wird weggeworfen, sobald die Blüten verwelkt sind. Die Verbindung zu den Wurzeln und zum Stamm ist lebensnotwendig, ohne diese Verbindung gibt es kein Wachstum und und keine Frucht.

„Ich bin der Weinstock. Ihr seid die Reben. Wer mit mir verbunden bleibt, bringt reiche Frucht.“ Auch wenn wir keinen Weinberg haben, verstehen wir was Jesus sagen will. Mit Jesus verbunden zu sein, heißt lebendig zu sein, heißt Nahrung und Wasser zu bekommen. So können wir wachsen, so wird unser Leben fruchtbar, so erleben wir Fülle und Reife.

Im Alten Testament ist der Weinstock ein Bild für das Volk Israel. Gott ist der Winzer, der für seinen Weinstock sorgt. So kann er gedeihen und reiche Frucht tragen. In Griechenland war der Weinstock ein Symbol der Fülle des Lebens. Und der Wein war dort so was wie ein Unsterblichkeitstrank. Natürlich hat man, wo immer gefeiert wurde, deshalb auch Wein getrunken.

So war es auch bei der Hochzeit in Kana, die Jesus mit seinen Jüngern besuchte. Welch ein Glück, dass Jesus dabei war und dafür sorgen konnte, dass das Hochzeitsfest nicht ins Wasser fiel. Jesus verwandelte Wasser in Wein, eine riesige Menge guten Weins. Er war also kein Kostverächter. Wenn Jesus sagt: „Ich bin der Weinstock!“, dann heißt das: Jesus erfüllt unsere Sehnsucht nach Leben, denn er ist selbst das Leben.

Lawana, Erik, Julia, Niklas, Laura, Jonathan, ihr seid keine Reben oder Zweige, sondern junge Menschen. Wie geht das für euch, mit Jesus verbunden zu sein, damit ihr Nahrung habt für euer Leben? Wie geht das für uns alle, mit Jesus verbunden zu sein?

Ich möchte dafür drei Dinge nennen, die alle mit „b“ beginnen: Beten, Bibel lesen, Beisammen sein. In unserem Text spricht Jesus davon, dass er selbst ganz eng mit seinem Vater verbunden ist. Wenn Jesus diese Verbindung besonders spüren wollte, hat er sich zurückgezogen um zu beten.

Für unser Beten heißt das: es ist gut, sich Zeit zu nehmen für das Gebet und sich ganz auf Gott zu konzentrieren. Keine Ablenkung durch andere Leute, durch das Brummen des Handys, durch Gedanken an die nächste Aufgabe oder den nächsten Termin. Da haben wir es heute vielleicht schwerer als die Menschen zur Zeit Jesu. Aber letztlich kommt es eben darauf an, wie wichtig uns die Beziehung zu Jesus ist. Jesus ist der Weinstock, die Quelle des Lebens. Wie viel Zeit sollten wir uns dann wohl für die Beziehung zu Jesus nehmen?

Auch für das Bibellesen brauchen wir Zeit und eine gute Gelegenheit. Natürlich können wir zu jeder Zeit und an jedem Ort Beten oder die Bibel lesen. In der S-Bahn genauso wie in der Hängematte, im Café oder in einer Kirche. Aber je mehr wir uns auf das Beten oder die Bibel konzentrieren können, desto größer wird der Gewinn sein. Übt euch also darin und seid fleißig dabei!

Beten und Bibellesen sind gewissermaßen die Ernährung für unseren Glauben. Auch unser Körper braucht ja Nahrung. Er braucht sie regelmäßig. Aber es tut unserem Körper nicht gut, wenn wir immer nur Sahneschnitten verzehren, wenn wir jeden Tag so schlemmen, wie ihr es heute vermutlich tut.

Auch wenn wir täglich Beten und Bibellesen, ist es nicht jedes Mal ein Festmahl. Wenn wir immer ein großartiges Erlebnis erwarten, werden wir enttäuscht werden. Beten und Bibellesen ist manchmal wie Schwarzbrot essen. Es schmeckt nicht wie der beste Hamburger der Stadt bei Triple B. Aber das Schwarzbrot nährt, auch wenn wir daran zu kauen haben.

Beten und Bibellesen braucht Übung und Routine. Entscheidend ist, dass wir mit Beten und Bibellesen nicht aufhören, wenn mal nichts Großartiges passiert. Ehrlich, es wird wirklich nicht langweilig. Für mich wird die Bibel umso interessanter, je mehr ich sie kenne. Und ich versichere euch: ich kann noch viel über die Bibel und aus der Bibel lernen.

Das dritte „b“ steht für beisammen sein. „Beisammen sein“ ist etwas ganz wichtiges für Jugendliche, aber im Grund für Menschen jeden Alters. Es ist auch etwas ganz Wichtiges für Menschen, die Jesus nachfolgen, die mit ihm verbunden sind. Alle, die beim KU-Camp waren, haben gemerkt, wie schön es ist beisammen zu sein, tolle Sachen miteinander zu machen, miteinander über Gott zu reden und Glauben zu erleben.

Die Gemeinde ist ein Ort für alle, die Jesus nachfolgen, um beisammen zu sein, um Leben und Glauben miteinander zu teilen, um sich gegenseitig zu stärken und zu unterstützen. Besonders empfehle ich euch Jugendlichen Sonn­tag­morgen4Teens und auch Gospel & Praise. Oder arbeitet irgendwo aktiv mit, denn miteinander etwas gestalten macht Spaß und verbindet auf besondere Weise. Beten und Bibellesen geht übrigens auch gut wenn man beisammen ist. Das ist dann B hoch 3 oder „Hohes B“.

Ihr wisst jetzt also, wie es geht mit Jesus in Verbindung zu bleiben. Drei Punkte habe ich dazu genannt: Beten, Bibellesen und Beieinander sein. Manche werden jetzt aber noch eine andere Frage stellen, nämlich: „Was bringt mir das?“

In einem Lied, das auch in „himmelweit“ zu finden ist, heißt es: „Welch ein Freund ist unser Jesus“. Auf die Frage „Was bringt mir das, mit Jesus in Verbindung zu sein?“ lautet die Antwort: einen ganz besonderen Freund. In dem Lied steht über diesen Freund folgendes: Er hat uns mit Gott versöhnt. Er steht uns zur Seite, wenn der Sturm rings ums weht. Er hört unsere Gebete und legt bei Gott ein gutes Wort für uns ein. Er hilft uns, wenn wir Sorgen haben und nicht mehr weiter wissen. Wirklich, so stell ich mir einen guten Freund vor: er hört mir zu, er tritt für mich ein, er unterstützt mich und gibt sein letztes Hemd für mich her. So ein Freund ist Jesus für uns, wenn wir ihm vertrauen.

„Ich bin der Weinstock. Ihr seid die Reben. Wer mit mir verbunden bleibt, bringt reiche Frucht.“ Von diesem Vers sind wir ausgegangen. Dieses Bild sagt: Vom Weinstock fließt der Lebenssaft in die Reben. Wer angeschlossen bleibt an den Weinstock, dessen Leben wird fruchtbar. Das ist ja eine tiefe Sehnsucht in uns Menschen: dass unser Leben fruchtbar wird. Aber bei manchen Menschen ist alles verdorrt, ohne Lebendigkeit, ohne Frucht. Das erinnert uns daran, dass wir die Frucht nicht aus uns selbst herauspressen können. Sie wird in uns wachsen, wenn wir in Verbindung mit dem Weinstock bleiben. Wenn wir erfüllt sind vom Geist Jesu als einem belebenden und befruchtenden Geist.

Jesus verbindet seine Person mit dem Weinstock und dem Wein. Jesus will für uns die Quelle des Lebens sein, die Quelle der Ekstase, der Süßigkeit und des Wohlgeschmacks, der Liebe und der Freude. All das „haben wir davon“, wenn wir mit Jesus verbunden sind. Daran denke ich bei diesem Vers: „Ich bin der Weinstock. Ihr seid die Reben. Wer mit mir verbunden bleibt, bringt reiche Frucht.“ Amen.