Initialzündung

Mareike Bloedt predigt über die "Initialzündung" von Jesu Wirken
Mareike Bloedt predigt über die "Initialzündung" von Jesu Wirken

Predigt zu Matthäus 3,13-17

von Mareike Bloedt
Gottesdienst in der Hoffnungskirche am 17.01.2016

Predigttext: Matthäus 3,13-17

Liebe Gemeinde,
ich habe Ihnen heute etwas mitgebracht. (Überbrückungskabel zeigen) Haben Sie schon einmal ein Auto überbrücken müssen? Ich habe das in meinem Leben schon zwei Mal miterlebt. Ich finde es spannend, wie eine Starthilfe so funktioniert. Eigentlich ist es ja ganz leicht, aber man kann auch eine ganze Menge kaputt machen, wenn man die Kabel falsch verbindet. Und so finde ich: Beim Überbrücken ist immer ein gewisser Nervenkitzel dabei.
Auf jeden Fall ist es ärgerlich, wenn das Auto nicht anspringen möchte. Wenn die Batterie leer ist, dann braucht man Hilfe, um das Auto wieder zu starten. Die Batterie muss erst geladen werden, damit sie wieder funktioniert.
Es bedarf sozusagen einer Initialzündung. Das Überbrückungskabel ermöglicht diese Initialzündung, um das Ganze wieder in Gang zu bekommen, um das Auto zu starten.

In der Bibel gibt es eine Geschichte, die letztlich ebenso eine Initialzündung ist. Ich lese aus dem Matthäus-Evangelium nach der Basisbibel:

„Damals kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes. Er wollte sich von ihm taufen lassen. Johannes versuchte, ihn davon abzuhalten, und sagte: ‚Ich habe es nötig, von dir getauft zu werden! Und du kommst zu mir?‘ Jesus antwortete ihm: ‚Das müssen wir jetzt tun. So erfüllen wir den Willen Gottes.‘ Da gab Johannes nach.
Als Jesus getauft war, stieg er sofort aus dem Wasser. Und sieh doch: Der Himmel riss über ihm auf. Er sah den Geist Gottes. Der kam wie eine Taube auf ihn herab. Und sieh doch: Dazu erklang eine Stimme aus dem Himmel: ‚Das ist mein Sohn, ihn habe ich lieb, an ihm habe ich Freude.’“ (Mt 3,13-17)

Diese Geschichte besteht aus zwei Hauptteilen. Im ersten wird beschrieben, dass Jesus an den Jordan kommt. Damals war allgemein bekannt: Am Jordan finden Taufen statt. Johannes tauft dort und so ist Johannes schließlich ja auch zu seinem Beinamen gekommen: Johannes der Täufer.

Jesus hat ein klares Ziel vor Augen. Dorthin will er. Er will zu Johannes. Er will sich taufen lassen.
Ich frage mich: Warum will sich Jesus von Johannes taufen lassen?

Die Taufe von Johannes soll der Umkehr und der Sündenvergebung dienen. Von vorne anfangen nochmal neu durchstarten.
Hat Jesus, der Sohn Gottes, das nötig? Er, der stärker ist, als Johannes, kniet vor diesem ins Wasser, taucht unter, macht sich klein, lässt sich halten von eben diesem Johannes. Warum?
Johannes geht es ähnlich wie mir. Auch er fragt sich, warum Jesus von ihm getauft werden möchte. Denn als Johannes Jesus sieht, und hört, warum Jesus zu ihm kommt, versucht er ihn von der Taufe abzuhalten.
Ich finde das ganz schön erstaunlich. Johannes widerspricht Jesus. Er wendet sich gegen Jesus. Das ist mutig, finde ich.
Johannes begreift nicht, warum sich Jesus taufen lassen möchte.
Warum Johannes das nicht begreift, wird einige Zeilen vor unserer Geschichte erzählt. Dort heißt es: „Johannes sagte: Ich taufe euch mit Wasser, denn ihr wollt euer Leben ändern. Aber nach mir kommt einer, der ist mächtiger als ich. Ich bin nicht einmal wert, ihm die Sandalen auszuziehen: Er wird euch mit Heiligem Geist und mit Feuer taufen.“
Johannes erkennt in Jesus, den, der nach ihm kommt. Den, der mächtiger ist, als er und deshalb sagt er zu Jesus: „Ich habe es nötig von dir getauft zu werden. Und du kommst zu mir?“
Hier findet eine Begegnung zwischen dem Ankündigenden und dem Angekündigtem statt.
Jesus nimmt den Einspruch des Johannes wahr. Er hört ihn. Doch er weiß auch: Die Taufe muss stattfinden.
Und so antwortet Jesus Johannes mit folgenden Worten: „Das müssen wir jetzt tun. So erfüllen wir den Willen Gottes.“
Diese Worte sind die ersten Worte, die Jesus im Matthäusevangelium spricht und diese Worte zeigen: Jesus steht unter dem göttlichen Müssen, dem er sich nicht entziehen kann. Jesus muss Gott vorbehaltlos gehorchen. Nur so erfüllt er den Willen Gottes.
Doch, was hat es mit diesem Müssen auf sich?
Im Griechischen stehen hierfür zwei Worte: prepon eöstin Das heißt: „Es muss sein.“ Diese beiden Worte sind aus dem hellenistischen Sprachgebrauch und entsprechen dem göttlichen Müssen. In unserer Geschichte wird damit ein einseitiges Sich-Unterstellen von Jesus her unter den Willen Gottes beschrieben.
Dieses Sich-Unterstellen hängt eng mit dem Begriff „Gerechtigkeit“ zusammen. Denn die Gerechtigkeit ist die vorbehaltlose und gehorsame Hingabe an den Willen Gottes.
Doch was ist in diesem Zusammenhang unter Gerechtigkeit zu verstehen?
Im alttestamentlichen Denken ist Gerechtigkeit vorwiegend Ausdruck für die Bundestreue Gottes gegenüber seinem Volk. Gerechtigkeit ist kein Prinzip, nach dem Gott dem Tun der Menschen entsprechend Lohn oder Strafe zumisst. Nein, es geht um ein Verhalten, das den anderen in dem, was er braucht, gerecht wird.
Im Neuen Testament und so auch in unserer Geschichte fordert Gott von den Menschen Treue. Die Gerechtigkeit, die Gott vom Menschen will, ist die von ihm seinerseits geübte Bundestreue. Diese Bundestreue erweist sich in der vollen Hingabe an Gott. Und diese Hingabe zeigt sich, indem man die Gebote Gottes befolgt und Gott gehorsam ist.
Das heißt: Indem Jesus sich von Johannes taufen lässt, zeigt er, dass er Gottes Wille befolgt. Dadurch verbindet er sich mit seinem Volk und errettet es von seinen Sünden.
Das ist die volle und ganze Gerechtigkeit!
Und so fügt sich Johannes dem Willen Jesu. Er tauft ihn. Und so lesen wir im zweiten Hauptteil unserer Geschichte: „Als Jesus getauft war, steigt er sofort aus dem Wasser. Und sieh doch der Himmel riss über ihm auf.“
Nach der Taufe öffnet sich der Himmel. Was für geniales Bild!
Der Himmel öffnet sich und er sah den Geist Gottes. Der kam wie eine Taube auf ihn herab.“
Jesus empfängt hier seine Vollmacht. „Der aus dem Geist Gottes Erzeugte empfängt den Geist als die Kraft, die ihn mit Gott verbindet und zu seinem Auftrag befähigt.“

 

Mareike Bloedt mit Starthilfekabel
Mareike Bloedt mit Starthilfekabel

Erinnern Sie sich noch an meinen Predigteinstieg? An die Starthilfe?

Jesus bekommt hier eine Starthilfe von Gott. Er wird mit dem Heiligen Geist ausgestattet. Der Heilige Geist ist die Kraft, die Jesus mit Gott verbindet und ihn zu seinem Auftrag befähigt.
Die Taufe ist die Initialzündung für das Wirken und öffentliche Auftreten Jesu.

Jetzt geht’s los!
Jesus bekommt in der Taufe alles, was er braucht. Er wird mit Kraft ausgestattet und für seine Aufgabe legitimiert. Praktisch offiziell ins Amt eingeführt. Der Heilige Geist wird hier als Taube beschrieben. Die Taube ist eines der weitest verbreitetsten Bilder für den Heiligen Geist.
Ein anderes Bild, das gerne gebraucht wird, ist zum Beispiel das Feuer. Ich finde dieses Bild hier auch sehr passend. Denn Feuer entzündet etwas. Feuer steckt an. Feuer lässt die Funken überspringen.
Genau, wie bei der Starthilfe. Auch dort muss der Funke überspringen, damit das Auto wieder startet.
Bei Jesus springt sozusagen in der Taufe der Funke über.
Und sieh doch: Dazu erklang eine Stimme aus dem Himmel: „Das ist mein Sohn, ihn habe ich lieb, an ihm habe ich Freude.“
Die Himmelsstimme offenbart Jesus als den Sohn Gottes, der von Gott geliebt und erwählt ist aus seinem Wohlgefallen, und bestätigt ihn damit als den, der die ganze und volle Gerechtigkeit aufrichtet.
Doch was möchte uns diese Geschichte heute sagen?
Jesus ist der Sohn Gottes. Und als solcher ganz und gar Mensch. Jesus lässt sich von Johannes taufen und reiht sich so ein in die Schlange der Sünder, der Fehlerhaften. Und genau an diesem Menschen Jesus von Nazareth hat Gott Freude.
Gerade auf diesem fehlerhaften Menschen lässt sich nun der Geist Gottes nieder. Gerade bei ihm reißt der Himmel auf. Und sein Mensch-Sein hört mit der Taufe nicht auf: Er geht in die Wüste, braucht den Rückzug an den Ort der Reife und fühlt sich teuflischen Mächten ausgeliefert. Doch auch dort lässt ihn Gott nicht allein. Im Markusevangelium lesen wir an dieser Stelle: „Jesus lebte bei den wilden Tieren und die Engel brachten ihm zu essen.“ Gerade mit ihm, diesem ausgelieferten Menschen, leben die Engel und wilden Tiere in Frieden.
Das ist Evangelium pur. Das ist die frohe Botschaft. Das ist der Neuanfang für alle. Gott ermöglicht den Menschen durch Jesus einen Neuanfang. Einen Neustart.
Vor wenigen Wochen hat ein neues Jahr begonnen. Am Anfang eines Jahres habe ich immer das Gefühl, dass mir und meinem Leben ein Neustart geschenkt wird. Dass ich neu anfangen kann. Bildlich gesprochen: Das neue Jahr ist für mich wie eine weiße Leinwand, die es noch zu bemalen und zu gestalten gilt. Wie schön, dass die heutige biblische Geschichte ebenfalls von einem Neuanfang spricht.
Gott ermöglicht uns einen Neuanfang. Ich finde das einen sehr schönen Gedanken: Er lädt uns ein zu ihm zu kommen und uns von ihm verändern zu lassen.
Denn genauso wie Gott Jesus zuspricht, dass er ihn liebt, so spricht er uns zu: „Das ist mein Sohn, das ist meine Tochter. Ich habe sie lieb, an ihnen habe ich Freude.“
Jesus hat sich an unsere Stelle begeben, indem er ins Wasser gestiegen ist und dies bis zum bitteren Ende durchgezogen hat. Und so identifiziert sich Gott in Jesus mit uns. Und deshalb lässt sich Jesus von Johannes taufen – er ist einer wie wir, denn wir sind alle geliebte Kinder Gottes.

Nachdem Jesus getauft war, riss der Himmel über ihm auf. Er sah den Geist Gottes.
Der Himmel öffnete sich und er sah…
Nur wo sich der Himmel wirklich auftut, wird Gott den Menschen zugänglich.

Und so wünsche ich uns allen für das kommende Jahr, dass wir immer wieder Momente erleben, in denen sich der Himmel öffnet und wir die Herrlichkeit Gottes sehen.

Amen.