Jesus am See Tiberias – Sonntagsschule 26. April 2020

(Jörg Höfle)

Hallo ihr Lieben,

schon wieder ist eine Woche vergangen, in der wir die meiste Zeit zuhause waren. Fühlt sich immer noch komisch an, oder? Und das, obwohl schon ein paar Wochen vergangen sind, in denen wir uns ja eigentlich daran hätten gewöhnen können.

Wahrscheinlich fühlte sich die Situation für die Jünger vor fast 2000 Jahren auch recht komisch an. Vermutlich nicht nur komisch, ich denke sie fühlten eine riesengroße Leere in sich.

Drei Jahre waren sie mit ihrem Jesus durch die Lande gezogen und hatten vieles erlebt, Höhen und Tiefen. Und Jesus hatte ganz viel Hoffnung in ihnen geweckt auf ein neues, anderes Leben, auf eine ganz andere Welt. Und jetzt das – tot. Einfach nicht mehr da. Weg. Vorbei die Hoffnung, was bleibt einem da anders übrig, als zu resignieren?

Ok, Jesus war auferstanden. Davon hatten sie gehört. Manchen war er sogar schon begegnet. Das war wunderbar, das tat gut, vielleicht ist ja ein kleiner Funke Hoffnung zurückgekehrt. Trotzdem denke ich, dass die meisten der Jünger noch recht verschreckt und mutlos beieinandersaßen und nicht so recht wussten, wie es jetzt weitergehen sollte.

Ging euch das auch schon einmal so? Ist euch auch schon mal eine ganz große Hoffnung zerplatzt wie eine Seifenblase? Etwas, auf das ihr euch richtig gefreut habt, etwas, bei dem der Bauch so richtig gekribbelt hat? Und dann „PENG“, alle Hoffnungen sind zerplatzt….

Die Jünger machten das, was wahrscheinlich die meisten von uns gemacht hätten. Sie machten das, was sie getan hatten, bevor sie Jesus kennengelernt hatten:

Petrus sitzt mit ein paar anderen Jüngern beieinander, dann hält er es nicht mehr aus. Er steht plötzlich auf und sagt „ich gehe fischen – wer kommt mit?“. Klar, dass ein paar andere auch mitkommen, was sollten sie auch sonst tun? Und so machen sie es auch. Sie gehen zum See, setzen sich ins Boot und fahren raus.

Ich nehme an, dass es im Boot recht still zuging, so wie es halt ist, wenn frustrierte Männer beieinandersitzen. Lange sind sie draußen und wie nicht anders zu erwarten, fangen sie nichts. Das hebt ihre Stimmung nicht gerade an. Die ganze Nacht draußen … umsonst. Die letzten drei Jahre mit Jesus – umsonst…?

Zurück am Ufer sehen sie einen Mann. Er fragt sie „Kinder, habt ihr nichts zu essen“?

Blöde Frage, der sieht doch, dass sie mit leeren Netzen zurückkommen. Und dann noch „Kinder…“. Die Jünger sind doch erwachsene Männer! Nun ja, der Fremde macht den Vorschlag, nochmals rauszufahren und das Netz diesmal auf der rechten Seite auszuwerfen. So was Bescheuertes, in den drei Jahren mit Jesus werden die Jünger das Fischen doch nicht verlernt haben?

Moment mal, fällt euch was auf? Diese Geschichte gab es doch schon mal, erinnert ihr euch? Stimmt, als Petrus noch gar nichts von Jesus gewusst hatte, hatte er etwas ganz Ähnliches schon mal erlebt. Die ganze Nacht draußen, nichts gefangen, dann setzt sich Jesus ins Boot, predigt vom Boot aus und sagt dann: „Wirf das Netz nochmals aus!“ Petrus macht was Jesus sagt (vielleicht hatte ihn die Predigt beeindruckt?). Und dann ist das Netz voll!  (Lukas 5, 1ff)

Uns jetzt, nach drei Jahren mit Jesus wieder fast die gleiche Situation. Komisch! Hatte Petrus so ein schlechtes Gedächtnis? Kam ihm kein Verdacht? Wohl nicht, denn er macht einfach, was der Fremde am Ufer ihm empfohlen hat. Er wirft sein Netz noch einmal aus. Und dann – dann sind so viele Fische drin, dass die Jünger sie kaum ans Land ziehen können. Wie damals.

Jetzt erst dämmert es den Jüngern: „Es ist der Herr!“ Petrus hält nichts mehr im Boot, splitternackt hüpft er ins Wasser und schwimmt so schnell er kann zu Jesus ans Ufer.

Ist das nicht eine tolle Geschichte? Jesus fängt mit seinen Jüngern noch einmal genau da an, wo alles begonnen hatte. Damals hatte er sie berufen, ihm nachzufolgen. Als Jesus gefangengenommen wurde, waren sie alle miteinander ziemlich feige und haben ihn im Stich gelassen. Und jetzt dürfen sie nochmals ganz von vorne anfangen.

Doch es kommt noch besser. Als alle am Ufer sind, steht Jesus am Grill (naja, es war eigentlich ein Kohlefeuer) und brät Fische für sie. Ich kann mir das so richtig vorstellen, Jesus mit Grillschürze und -besteck am Feuer und er lädt sie ein: „Jetzt langt mal so richtig zu. Ich hab ich alles für euch hungrige Jungs vorbereitet“.

Nach dem Essen wendet er sich Petrus zu. Die beiden hatten ja viel miteinander erlebt. Petrus, der seine Gefühle kaum im Zaum halten konnte, war so begeistert, dass er Jesus versprochen hatte, ihn nie zu verraten, selbst wenn er dafür ins Gefängnis müsste. Nun ja, ihr wisst ja, wie die Geschichte weiterging. Dreimal hatte er ihn verraten, dann krähte der Hahn. Petrus weinte! Er hatte versagt, und das, obwohl er Jesus doch so lieb hatte. Er hatte mutig sein und zu Jesus stehen wollen, egal was da kommen würde, aber er hatte es nicht gekonnt. Ob ihm Jesus das vergeben könnte?

Jesus legt nun am Ufer des Sees seinen Finger in die Wunde des Petrus (d.h. er bohrt nach, obwohl er weiß, dass es Petrus weh tun würde) „hast du mich lieb Petrus?“

„Ja, natürlich hab ich dich lieb! Das weißt du doch“, antwortet Petrus.

Drei Mal fragt Jesus so und Petrus weiß genau, worauf Jesus hinaus will. Drei Mal war er feige und hatte gesagt, dass er Jesus nicht kennen würde. Petrus wurde sehr traurig. War das nicht ein wenig unfair von Jesus?

Ich glaube nicht. Jesus gibt seinen Freunden nochmals die Chance ganz von vorne zu beginnen. Mit Petrus führt er sogar ein liebevolles Einzelgespräch und macht ihm klar, dass er ihn trotzdem für eine ganz große Aufgabe gebrauchen kann. Ihn, den Versager!

Ich verrate euch etwas: das ist meine Lieblings-Ostergeschichte. Jesus will mit solchen Versagern, die nicht einmal zu ihm stehen können, seine neue Welt bauen. Mit Menschen wie du und ich.

Und Petrus hat übrigens eine richtig große Aufgabe bekommen. Nachdem Jesus nicht mehr da war, sollte er die Kirche aufbauen (mit ein paar anderen zusammen). Und jetzt hatte er den Mut und die Kraft, zu Jesus zu stehen. Am Ende hat er sogar sein Leben für Jesus gegeben.

Deshalb wissen wir heute auch von Jesus und können uns in der Kirche (und hoffentlich bald wieder in der Sonntagschule) treffen. Ist das nicht eine tolle Geschichte?!

Sonntagsschule als Audio:

Rätsel:

Heute habe ich ein Rätsel für Euch. Um es zu lösen benötigt ihr eine Bibel in der Martin-Luther-Übersetzung 2017.

Wer solch eine Bibel nicht zu Hause hat, kann im Internet darin lesen: www.bibleserver.com. Ihr könnt dort die Bibelstellen eingeben – auf der rechten Seite wählt man die jeweilige Bibelübersetzung. Ihr müsst dort „LUT“ auswählen.

Ich bin schon mal gespannt, wer dieses Rätsel lösen kann:

Mk 5,6.9 Lk 3,3.4 Joh 1,6.2 Apg 1,24.1 Lk 4,1.5

Jes 53,3.10 1.Mos 1,2.6 Off 1,8.4 Off 20,14.7

Bitte sendet die Antwort an Irene Höfle.