Predigt: „Teamwork – wir die individuelle Mischung!

Auf die Mischung kommt es an! Kor. 12, 12 ff

Patorin Katharina Sautter

Ihr Lieben,

wie habe ich sie vermisst, die direkte Begegnung in den letzten zwei Jahren! Ich möchte so gerne wieder lange mit euch beim Kirchenkaffee zusammenstehen und hören und erzählen und Gesichter sehen.

Gerade jetzt – für diese Gesellschaft – vor allem für die Kinder und Jugendlichen, die Menschen, die alleine sind und wahren, die alleine kämpften, denen es schwer fällt mit der gegebenen Situation umzugehen- gerade für mich ist es wichtig: Ich bin nicht alleine! Ich gehört dazu. Die Erfahrungen der bindende Kraft der Gemeinschaft stärkt mich gerade jetzt und meine Persönlichkeit.

Wie wundervoll, dazuzugehören!

Liebe Gemeinde,

„Es geht darum, füreinander da zu sein und eine Gemeinschaft zu bilden, die Freiheit schenkt und doch verbindlich ist, die einzelnen Raum gibt und doch Verantwortung füreinander übernimmt.“ Ihr Lieben, das ist eine Antwort, die Altbischof Dr. Walter Klaiber in einem Interview erst kürzlich gegeben hat auf die Frage: Welchen Auftrag haben wir als Evangelisch-methodistische Kirche

noch? (www.emk.de)

Ja, ihr Lieben, das ist unser Auftrag, der Text aus dem 1. Korintherbrief sagt uns – es geht gar nicht anders, denn: wir sind ein Leib!

Wie hört sich das in meinen Ohren an? Kann ich mich darin wiederfinden? Wo bin ich in diesem Leib? Ohr? Auge? Fuß?

Lieber Leib Christi,

Teamwork – wir die individuelle Mischung! Auf die Mischung kommt es an!

Ihr Lieben, da musste ich sofort dieses Bild von Paulus denken.

Ein Leib mit vielen Gliedern – Ich verstehe, was Paulus hier vor Augen hat. Eine Gemeinde, die aus verschiedenen Menschen besteht, jede*r ist anders, jede*r hat einen anderen Hintergrund, jede*r ist auch anders in das Christsein hineingewachsen. Jede*r ist ein anderer Charakter und hat ein anderes Temperament. Jede*r hat etwas anderes, was ihr/ihm wichtig ist. Jede*r hat ein anderer Zugang zum Beten. Jede*r hat andere Hobbys, andere Begabungen und sieht vielleicht andere Aufgaben.

Eine große, bunte Vielfalt. Ein chaotischer Haufen. Noch kein Team – wie werden wir zu einem Team? Die Teammitglieder Du Ohr, Du Auge, Du Wadenbein, Du großer Zeh, wenn Paulus vom Leib Christi und seinen Gliedern spricht, dann sind sie erst einmal alle in ihrer eigenen Identität gemeint. Und seid gewiss: Jede*r hat eine Begabung und eine Berufung. Paulus geht davon aus, dass es jede*r Christ*in in der Gemeinde ein Charisma (Gnadengabe) hat. Damit sind hier im Korintherbrief mehr als die praktischen und musischen Begabungen gemeint. Er redet von besonderen Begabungen zum Gebet, das Gebet in Zungen, Prophetische Rede und der Heilung und anderen. In den weiteren Paulusbriefen geht es dann auch um das Charisma der Gemeindeleitung, der Verkündigung- sozusagen des pastoralen Dienstes. Und um diakonische Begabungen.

Die Aussage bleibt durch alle Briefe hindurch: Jed*r hat ein solches Charisma, eine Aufgabe. Jede*r hat eine Begabung und eine Berufung. Wenn Du über diese Aussage stolperst, dann lade ich dich ein, nachzuhaken, nachzuforschen, diese Gabe zu entdecken. Du hast Kompetenzen und ein Charisma – und diese gilt es zu entdecken.

Das Team

Lieber Leib Christi

Paulus geht weiter und sagt: die verschiedenen Teile bilden zusammen ein Ganzes, ein Team, einen Organismus. V. 27: Ihr alle seid zusammen der Leib von Christus, und als Einzelne seid ihr Teile an diesem Leib! Was schweißt uns sozusagen zusammen? Paulus sagt:

a) Die Taufe. Wer auf den Namen von Jesus getauft ist, der gehört zu seiner Gemeinde, zu seinem Leib. b) Der Heilige Geist. Alle, in denen der Geist Christ wohnt, sind eingegliedert in seinen Leib, in die Gemeinde.

Ich finde das etwas sehr faszinierendes! Ich bin mit meiner individuellen Geschichte, Prägung, Ansicht, meinen Überzeugungen, den Begabungen, auch meinen Zweifeln und Fragen Teil der individuellen Mischung. Wir hier, so wie wir zusammen sind, wir bilden den Leib des Christus ab in unserer Welt!

Ich halte fest: Jedes Glied ist wichtig. Mit Haut und Haaren, mit Händen und Füßen, mit meinen Gaben und Grenzen, auch mit meinen Krankheiten und Behinderungen gehöre ich hinein in den Leib Christi. Die Vielfalt macht den Leib aus!

Teamwork

Lieber Leib Christ –

wenn soviel Begabte beieinander sind, dann ist die Spannung vorprogrammiert, oder? Es gab Streit in Korinth, immer gibt es Streit in der Kirche. Wahrscheinlich gab es im Lauf der Geschichte in keiner der Weltreligionen so viel Streit – sogar mit blutigen Folgen – wie im Christentum. In Korinth war es zu handfesten Verstößen gegen elementare Regeln des Anstands und der christlichen Liebe gekommen: Gruppen von Gemeindegliedern aßen sich satt, während andere hungerten. Und die Diskussion über Charismen in Korinth: dort schätzte man bestimmte „Geistesgaben“ besonders hoch – wertvoller als andere.

Paulus korrigierte das, indem der diese besonderen Gaben hineinstellte in eine Fülle von Begabungen und Betätigungen, mit denen sich Christ*innen einbringen.

Es braucht bei so vielen besonderen Begabungen Teamwork. Also greift Paulus zum Bild vom Leib mit den vielen Gliedern. Der lebendige Organismus ist für Paulus das Bild, in dem er dieses Zusammenspiel, das Teamwork, verdeutlicht. Er nimmt damit eine in der damaligen Zeit allgemein geläufige Vorstellung auf: Schon Platon hatte die Einheit des Staates mit der des Leibes verglichen. Eine Gemeinschaft lebt davon, dass die einzelnen zusammenhelfen, jede*r an der Stelle, an der ich gebraucht werde. Ich halte fest: Bei soviel Begabungen hat jede*r einen wichtigen gleichwertigen Platz im Team.

Teamaufstellung

Ihr Lieben- Ohr, Auge, kleiner Finger….

Überlegt euch mal kurz: Wieviel Millionen Körperfunktionen gerade jetzt in dir zusammenwirken, dass du hier sitzt, atmest, zuhörst, nachdenkst, nicht einschläfst, träumst… Ich bin immer absolut fasziniert, wenn ich mir nur überlege, was in mir passiert damit ich hier stehen und gleichzeitig lesen, denken und sprechen kann. Wieviel mehr ist Leib Christi dann ein Wunderwerk Gottes.

Wir wirken genauso. Wir sind aufeinander angewiesen. Wir brauchen einander. Gemeinsam sind wir lebendig. Können handeln. Gestalten. Wirken. Ich weiß aus der Erfahrung mit meinem eigenen Körper wie es sich anfühlt und was es bedeutet, wenn ein einzelnes Glied leidet… Also ich dachte jetzt an Zahnschmerzen oder dergleichen grauseliges. Wir geben aufeinander acht. Sorgen füreinander.

Jede und jeder ist wichtiger Teil des Teams! Wird gesehen.

Auch unterstützt. Ein Team bietet Schutz.

Ich halte Fest: Jedes Glied braucht die anderen.

TeamLeader

Ihr Lieben, ich rede hier von Team – dabei ist die Kirche kein Team, um ein gemeinsames Hobby zu betreiben. Die Kirche ist überhaupt keine menschliche Erfindung, sie ist Gottes Schöpfung. Wir sind sein Teil, sein Leib. Und er ist die Liebe. Deswegen spricht Walter Klaiber vom „Organismus der Liebe“. Ihr Lieben, jedes Team braucht Leitung. Weil wir Leib Christ sind, ist die prägende Kraft die Liebe Christi – sie ist der Teamleader! Organismus der Liebe sind wir. Christus leitet.

Und deswegen ist die Frage wichtig: Was prägt und nährt uns in unserem miteinander? Wie können wir miteinander in Kontakt sein mit Jesus. Wie können wir Glauben teilen? Ich halte fest: Ihr seid der Leib von Christus. Die Liebe, die Jesus uns zeigt, ist das, was uns leitet. Siehst Du Dich als Teil

dieses Organismus der Liebe? Dieses Teams?

Teamgeist

Ihr Leib Christi: Paulus sagt: Wir gehören zusammen und wir gestalten miteinander das, was Kirche ist, damit das „Liebesprogramm Gottes“ ein Gesicht in unseren Tagen hat. Ja, als Team bleibt die Frage nach unserem gemeinsamen Ziel – unserem Auftrag. Das, wofür wir auf jeden Fall eintreten wollen, könnte vielleicht Folgendes sein:

(1) Für die Verbreitung der einen guten Nachricht, als der Kraft Gottes, die versöhnt und befreit. Für die herzliche Einladung aller Menschen zu einem Leben mit Jesus. Für die Sorge um Menschen in Not.

(2) Für das Miteinander als Töchter und Söhne des einen Vaters im Himmel, der uns geschaffen hat, wie wir sind: mit Gott versöhnt und Glieder an dem einen Leib Christi, sichtbare Zeichen der Liebe Gottes zu allen Menschen.

(3) Für ein aufmerksames Achten aufeinander in Liebe.

(4) Für ein aufrichtiges Gespräch über den Glauben, seine Kraft, seine Hoffnung und seine Freude, seine Vielfalt und seine Fragen. Unser Wissen ist Stückwerk, darum lernen wir voneinander. Unser Weg braucht Orientierung, darum hören wir gemeinsam auf Gottes Wort. Unsere Aufgaben brauchen Zuspruch, deswegen ermutigen wir einander und helfen einander. Sind dankbar füreinander.

Ich halte fest: Wir haben einen wunderbar positiven Auftrag!

TeamMotto

Ihr Lieben,

im Stadion singen die Fans die Hymne ihres Teams, um es anzufeuern. Da kommt Begeisterung auf und ich spüre die Solidarität und den Zusammenhalt. Es ist wie ein Team Motto, das alle miteinander verbindet und hinausgesungen

wird.

John Wesley – unser Kirchenvater – hat ein seinen Gemeinden auch ein Motto mitgegeben für ihre Teamwork:

Im Wesentlichen Einheit, im Strittigen Freiheit, in allem Liebe.

(1) Was heißt im Wesentlichen Einheit:

Wir werden uns nicht immer einig sein. Wir brauchen Jesus als den Teamleader. Damit wir von und durch ihn lernen, wie wir trotz unterschiedlicher Meinungen gemeinsam das Liebesprogramm Gottes gestalten können. Das gelingt mit Dankbarkeit und Wohlwollen. Dankbarkeit gegenüber unserem Schöpfer und größten Wohltäter und Wohlwollen gegenüber unseren Teammitgliedern. Anders gesagt: Die Liebe zu Gott, und die Liebe zu unserem Nächsten wie zu uns selbst.‘“

(2) Im Strittigen Freiheit – Es führt kein Weg vorbei an der Bereitschaft, nicht nur die zu lieben, die uns lieben und freundlich begegnen und die nicht meiner Meinung sind.

(3) In allem Liebe. – Nicht nur „über allem“. Viel mehr (!): In allem. In allem, was wir tun. Vor allem in uns. In unseren Herzen. Wesley sagt überschwänglich: zu allen Menschen. Dann werden wir einander mit aufrichtigem Herzen die Hand reichen zum Miteinander auf dem Weg der Nachfolge, in die Jesus uns ruft, zum Glauben, Hoffen und Lieben – und zum Tun dessen, was nötig und zielführend ist.

Lieber Leib Christi,

wie habe ich sie vermisst, die direkte Begegnung mit diesem Team!

Wie wertvoll zu erleben, wie dieses Team zusammenhält und zusammengehört.

Wie wundervoll, zu diesem Team dazuzugehören!

Auf dieses Team.

Den Leib Christi.

Amen!

Kinderimpuls

Aus mitgebrachten Kleidungsstücken wird eine Puppe hergestellt. Pullover und Hose oder ein Skianzug bilden den Grundkörper. Handschuhe, Socken und Turnschuhe ergänzen Hände und Füße. Ein ausgebeulter Hut oder eine Mütze, ein aufgeblasener Luftballon oder ein Ball können den Kopf darstellen, den Haare aus Wolle, aus Fell oder in Form eines Schals umrahmen.

Im Gespräch kann geklärt werden, welche Bedeutung die einzelnen Körperteile für die Kinder haben und weshalb sie ihnen wichtig oder sogar besonders wichtig sind.